Seit April letzten Jahres ist die 30-jährige Christine Edelmann beim „Hospizverein Leben im Sterben Hildesheim und Umgebung e. V.“ aktiv. / Foto: Charlotte Hattendorf

Hildesheimerin für Hospizarbeit ausgezeichnet

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 16. April 2019.

Hildesheim – In Grün und Gelb ist das helle Zimmer gestrichen; in der Ecke stehen Kaffeeautomaten und Spüle, auf der anderen Seite sind in einer kleinen Sammlung Bücher zum Thema Sterbebegleitung und Hospizarbeit versammelt. Unter drei Ölbildern einer grün-blauen Meeresküste, über der sich der Himmel dunkel zusammenbraut, sitzt Christine Edelmann, 30 Jahre jung.

Sie ist vor zwei Wochen als eine von 95 Ehrenamtlichen in der Hospizarbeit und Palliativversorgung von Familienministerin Franziska Giffey ausgezeichnet worden. Weil sie sich eben bereits in ihrem jungen Alter für dieses Engagement entschieden hat. Christine Edelmann ist dabei in der Minderheit. Bei den Malteser-Hospizdiensten sind beispielsweise nur rund 3,5 Prozent der Engagierten zwischen 18 und 30 Jahre alt.

Ein Aushang hat genügt

Christine Edelmann selbst kam letztes Jahr durch einen Zufall zum Hospizverein: „Ich habe gerade meinen Master an der Uni abgeschlossen, als ich an der Michaeliskirche einen Aushang gesehen habe, dass der Verein neue Leute sucht.“ Und sie ging hin.

Mit älteren oder auch jüngeren todkranken Menschen ein Eis essen gehen, spazieren oder einfach nur am Bett sitzen und reden – das sind die Aufgaben, die aktuell 59 Ehrenamtlichen des Hospizdienstes „Leben im Sterben“ übernehmen.

„Am Anfang war es schwierig“

Doch zuvor musste Christine Edelmann sich zur Helferin in der Hospizarbeit ausbilden lassen. Seit dem Winter betreut sie eine 85-jährige Frau. Einmal in der Woche besucht ist sie bei ihr zuhause: „Am Anfang war es noch schwierig, doch dann ist das Vertrauen gewachsen.“

In ihrer Freizeit macht Christine Edelmann viel Sport: Beim Fitnesstraining, Fahrrad fahren, wandern oder Yoga ist sie anzutreffen. Darüber hinaus promoviert die gebürtige Württembergerin an der Philosophischen Fakultät der Uni Hildesheim und hat eine halbe wissenschaftliche Hilfskraftstelle inne.

Bekannte sind irritiert

„Bekannte fragen mich manchmal, warum ich mir das mit der Hospizarbeit antue“, erzählt Edelmann, „doch für mich ist die Zeit im Ehrenamt eine Kraftquelle. Die Arbeit macht mir großen Spaß.“ Wichtig ist dabei, dass der Tod kein ständiges Gesprächsthema bei ihren Besuchen ist: „Der Tod ist zwar dabei, aber er kann auch mal außen vor bleiben.“

Die Menschen, die in den Hospizdiensten arbeiten, verdienen größte Anerkennung, betont Familienministerin Franziska Giffey. Gemeinsam mit Vertretern des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbandes, der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und der Bundesärztekammer übergab sie den jungen Menschen Anerkennungsurkunden.

Keine Sterbehilfe

Ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt der Fachstelle für Hospizarbeit der Malteser und der Universität Graz soll in Zukunft mehr junge Menschen für das Ehrenamt in Hospizdiensten begeistern. Bis 2022 fördert das Bundesfamilienministerium das Vorhaben mit rund 290 000 Euro.

Hospizarbeit hat nichts mit Sterbehilfe zu tun. „Manche verwechseln das“, sagt Antje Wilschnack, Koordinatorin von „Leben im Sterben“. Und von Sterbehilfe, die auch aktuell stark in der Diskussion steht, distanziert sie sich ausdrücklich: „Sterbende haben oft mehr Angst vor dem schmerzlichen Vorgang des Sterbens als vor dem Tod an sich. Wenn man ihnen deutlich macht, dass sie nicht allein sind und dass Schmerzen gelindert werden können, verlieren viele das Bedürfnis, ihrem Leiden schnellstmöglichst ein Ende zu bereiten.“

Hospizdienste in Hildesheim

Zwei Hospizvereine bieten in Hildesheim Sterbebegleitung für todkranke Menschen an. Der Hospizverein „Leben im Sterben“ ist mit 28 Jahren einer der ältesten Hospizdienste in Niedersachsen. Der Verein hat knapp 60 Mitarbeiter. Die Ausbildung zum Ehrenamtlichen in der Hospizarbeit dauert etwa sechs Monate. Der nächste Kursus beginnt am Samstag, 11. Mai. Es gibt noch freie Plätze. Anmeldungen und Nachfragen sind unter der Telefonnummer 6 97 24 24 möglich.

Der zweite Hospizverein ist „Geborgen bis zuletzt“. Er wurde 2008 gegründet. Bei ihm engagieren sich zur Zeit 100 Ehrenamtliche. Telefonisch ist er unter 9 18 74 62 erreichbar.

Das erste stationäre Hospiz wurde 1967 im Vereinigten Königreich eröffnet, dort entstand auch 1982 das erste Kinderhospiz. In Deutschland folgte die erste Hospizöffnung 1968. Inzwischen gibt es hierzulande etwa 240 stationäre Hospize, mehr als 300 Palliativstationen in Krankenhäusern sowie über 1500 ambulante Hospizdienste.

Von Hildesheim aus sind die nächsten stationären Hospize in Hannover (Uhlhorn Hospiz, Hospiz Luise, Hospiz Misburg). Für Kinder und Jugendliche gibt es das Kinderhospiz Löwenherz Syke sowie das Kinderhospiz Braunschweig